SBW Vogtlandkreis gGmbH
12.12.2017

Allgemeine Informationen

Die Anzahl der in Obhut genommenen unbegleiteten minderjährigen Ausländer (umA) ist seit 2010 deutlich gestiegen. Von ca. 2500 im Jahr 2010 zu mehr als 42000 im Jahr 2015, besonders stark war der Anstieg von 2014 auf 2015, in diesen Jahren verzweieinhalbfachte sich die Anzahl der umA in Deutschland (Quelle: statista.de).

Die Jugendlichen sind in Deutschland völlig auf sich allein gestellt und bedürfen besonderem Schutz. Zu diesem Zweck gibt es mehrere gesetzliche Richtlinien (unter anderen die Bestimmungen des Sozialgesetzbuch VIII und der EU Aufnahmerichtlinie vom 26.06.2013) die das sogenannte Clearingverfahren, im Vergleich zu dem für Erwachsene, differenzieren. Prinzipiell ist zu sagen, dass für die Jugendlichen das an dem Ort des Aufgriffs oder der Einreise zuständige Jugendamt die Kinder und Jugendlichen in Obhut nehmen muss. Nach der Erstaufnahme steht als nächstes das Erstscreening an um Gesundheitszustand und Alter der Geflüchteten zu bestimmen. Wenn der physische und psychische Zustand der Kinder und Jugendlichen es zulässt, werden sie innerhalb von 14 Tagen nach einem Verteilungsschlüssel auf das Bundesgebiet verteilt.

Die Inobhutnahme übernimmt anschließend das dortige Jugendamt. Zunächst kommen die Jugendlichen in Einrichtungen der Clearingphase I, wie die Inobhutnahmestelle (ION) Wohnheim Rodewisch, dort bleiben sie für 3 Monate. Der nächste Schritt ist die sogenannte "Bestellung" eines Vormundes. Der Vormund trifft alle relevanten Entscheidungen für sein Mündel und ist die rechtliche Vertretung des Minderjährigen, solange bis der Jugendliche die Volljährigkeit erreicht.

Nach dem Ablauf der Zeit in der Inobhutnahme werden die Kinder und Jugendlichen in Folgeeinrichtungen der Clearingphase II übermittelt. Die übernehmenden Einrichtungen, wie die Wohngruppe Kauschwitz (gerade im Bau), bauen auf die Arbeit der Inobhutnahmen auf, haben jedoch von der Konzeption und dem Aufgabenbereich erheblich mehr Anteil an der Entwicklung der Jugendlichen, typische Bereiche sind die Verarbeitung der Flucht, die Selbstfindung und die Integration in die deutsche Gesellschaft. Leider sind Folgeeinrichtungen immer noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden, so dass die für die Inobhutnahmeeinrichtungen geplante Verweildauer von 3 Monaten oft überschritten wird.

Es gibt zahlreiche Entscheidungsgrundlagen, die die Aufenthaltssicherung von umA betreffen. Die genauen Regelungen können Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nachlesen. Bezüglich des Aufenthaltsrechtes gibt es für geflüchtete Minderjährige einige Besonderheiten, die meisten haben keinen festen Aufenthaltsstatus, sondern leben "geduldet" in Deutschland. Dabei dient die Duldung lediglich der "Aussetzung der Abschiebung", das heißt die Kinder und Jugendlichen sind nach §58 Abs. 1a Aufenthaltsgesetz bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres vor Abschiebung geschützt. Ausnahme ist wenn sie an einen Sorgeberechtigten oder eine geeignete (Umweltumstände) Aufnahmeeinrichtung im Herkunftsland übergeben werden können. Wollen die in Obhut genommenen umA einen Aufenthaltstitel in Deutschland erhalten, dann müssen sie genauso das Asylverfahren durchlaufen wie erwachsene Flüchtlinge auch.

 

diagramm allgemeine Informationen 160818

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 18/7625 vom 22.02.2016

Diese Übersicht macht deutlich, wie mit den Asylanträgen der umA im allgemeinen verfahren wird. Im Gegensatz zur Meinung großer Teile der Bevölkerung, wird nur einem sehr kleinen Bruchteil von 0,7 % tatsächlich Asyl und somit ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland gewährt.

 

Neues in unseren Jugendhilfeeinrichtungen

WILLKOMMEN, CHANCEN, PERSPEKTIVEN

Unsere JugendWG Syaratal für unbegleitete Minderjährige Ausländer wurde eröffnet! Die ersten Jugendlichen sind bereits in ihr neues Zuhause eingezogen, auch einige Jugendliche aus der ION Wohnheim Rodewisch haben hier eine neue Bleibe gefunden. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit mit unseren neuen Bewohnern und freuen uns darauf, sie auf ihren zukünftigen Wegen zu begleiten.